Überlegungen zur Kett-Pädagogik

A. ÜBERLEGUNGEN ZUR PÄDAGOGIK

 1. ICH BIN IN BEZIEHUNG ZUR WELT DA


Als Teil eines Ganzen bin ich in Beziehung zu diesem Ganzen da,
in Beziehung zur Erde
in Beziehung zum Himmel
in Beziehung zur Umwelt
in Beziehung zur Mitwelt
in Beziehung zu mir selbst
in Beziehung zu einem umfassenden letzten Grund.
In Beziehung, im Dialog bin ich da, werde ich.


Exupery, der Dichter des Kleinen Prinzen, sieht den Menschen als Knotenpunkt von Beziehungen. In der Tat, differenziere ich die Tausende von Beziehungsakte, die ich von meiner Zeugung an bis auf den heutigen Tag empfangen und selbst gegeben habe, aus meinem Leben heraus, falle ich in ein Nichts zusammen.

„Ich werdend spreche ich Du“, lautet der Kernsatz, mit dem der Philosoph, Theologe und Pädagoge Martin Buber das Werden und Dasein des Menschen beschreibt. Er trifft dabei bezüglich der Art und Weise, wie ich in Beziehung stehe, eine Unterscheidung. Er spricht von einer ICH-DU-Beziehung und einer ICH-ES-Beziehung. Mit letzterer meint Buber ein objektivierendes Erkennen der Welt, eine sachliche Auseinandersetzung mit ihr. Ich unterscheide den Ursache-Wirkungszusammenhang von Vorgängen, frage mich, wie ich das Gegenüber in Gebrauch nehmen, mir zu Nutzen machen kann. 

Eine ICH-DU-Beziehung wird von Liebe und Wertschätzung geprägt. Ich werde von einem Gegenüber – es kann ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze sein – angemutet, berührt. Ich spüre mich mit ihm gleichsam geschwisterlich verbunden. Beide Beziehungsweisen sind auszubilden und in Balance zu halten. „Ohne ICH-ES-Beziehung können wir nicht überleben. Ohne ICH-DU-Beziehung werden wir nicht Mensch“; heißt es bei Buber.